Es war sogar dem Spiegel einen Artikel wert: laut Regisseur Ridley Scott soll im Kinofilm »Blade Runner« die Hauptfigur Rick Deckard (gespielt von Harrison Ford) in der Tat ein Replikant sein.

Harrison Ford als Rick Deckard
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Als 1982 »Blade Runner« in die Kinos kam, interessierte sich erst einmal niemand so recht dafür. Der Film, der recht frei auf dem Roman »Do androids dream of electric sheep?« von Philip K. Dick (u.a. Heyne 01/10649) beruht, wurde erst im Laufe der folgenden Jahre zu einem Kultfilm. Vielen Zuschauern war und ist der Film allerdings zu dunkel, zu ruhig und zu pessimistisch.
Es hat sich aber gezeigt, daß »Blade Runner« seiner Zeit weit voraus war. Das Konzept allmächtiger Riesenkonzerne wurde viel später wieder im Cyberpunk recycelt, der sich gleichzeitig auch noch kräftig an der Optik des Films bediente. 1991 schaffte es Ridley Scott, der an der Endfassung, die 1982 in die Kinos kam, gar nicht mehr beteiligt gewesen war, einen »Director’s Cut« durchzusetzen: es verschwand die Stimme aus dem Off und auch das Happy End mit der unpassenden Fahrt ins Grüne. Aber der Film wurde auch neue geschnitten und eine, zwei neue Szenen wurden auch eingefügt. Eine sorgte dabei vor allem für Schlagzeilen: der Traum Deckards von einem Einhorn, der an anderer Stelle im Film durch eine Papierfigur von Gaff wieder aufgegriffen wird. Hat Deckard also nur künstliche »Träume« und Erinnerungen? Ist er selbst ein Replikant? Immerhin sagt er schon zu Beginn des Films, daß er nur die Wahl hat, entweder Jäger oder Gejagter zu sein…
In einer Dokumentation des britischen Fernsehsenders Channel 4 sagte nun Ridley Scott (“Alien”, “Gladiator”) ganz deutlich: »Ja, Deckard ist ein Replikant«. Wobei Ridley Scott für die Beantwortung dieser Frage im Grunde die falsche Person ist, denn eigentlich sollte der Drehbuchschreiber darüber besser Bescheid wissen. Das ist aber auch nicht so ganz leicht, denn das Drehbuch stammte ursprünglich von Hampton Fancher, und war nicht mehr als eine Detektivgeschichte, die sich nur auf die Jagd der Replikanten konzentrierte. Erst die Überarbeitung durch David Peoples veränderte das Skript entscheidend. Sogar Philip K. Dick war damals davon begeistert: »Peoples hat tolle Arbeit geleistet. Eine Szene darin rührt mich zu Tränen, und sie steht nicht in meinem Buch. Er hat sie eingefügt, und sie ist wunderschön.«

Ridley Scott und Philip K. Dick
Das Problem jedoch, daß sich durch den »Director’s Cut« und speziell jetzt durch Scotts Aussage ergibt, ist eine Beschneidung der Aussage des Films. In der Erstfassung bleibt alles offen: Deckard könnte (!) selbst ebenfalls ein Replikant sein, doch alles bleibt ungeklärt. Es gibt keine sicheren Hinweise (die liefert erst der Director’s Cut) dafür oder dagegen. Damit bleibt aber auch die Ungewissheit erhalten, die immer (!) ein zentraler Punkt des Werkes von Philip K. Dick war, und auch Blade Runner erst so richtig interessant macht: Wodurch unterscheidet sich ein Mensch von einem Replikanten, also die Wirklichkeit von der Simulation? Deckard ist sich selbst unsicher, wie er Rachel behandeln soll, und er ist überwältigt von Battys Opfer am Ende des Films. Er steht als Mensch vor der Frage, ob er eine Maschine, oder ein lebendiges Wesen gejagt hat.

Dem macht Ridley Scott jetzt ein Ende – und was bleibt ist die profane Frage, ob sich ein Replikant für einen Mensch halten kann…
Quellen: Spiegel, BBC, Heyne SF-Magazin (S. 45)

Ergänzung vom 18. September 2000:
Quelle: Chicago Tribune
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